Aus mit Bukkit? Was 2014 geschah – und warum Plugins überlebten
3 Min. LesezeitServer, Plugins & Streaming
Im Spätsommer 2014 sah es für kurze Zeit so aus, als sei die Plugin-Welt von Minecraft am Ende: Downloads verschwanden, Entwickler stellten ihre Projekte ein. Die Geschichte zeigt, wie eng Open-Source-Lizenzen und Geschäftsinteressen zusammenhängen.
Was Bukkit war
Bukkit entstand Ende 2010 als Gemeinschaftsprojekt. Die Idee: eine stabile Programmierschnittstelle (API), über die Plugins mit dem Minecraft-Server sprechen, ohne sich um dessen Innereien kümmern zu müssen. Die eigentliche Umsetzung dieser Schnittstelle hieß CraftBukkit – ein angepasster Minecraft-Server. Wer ein Plugin schrieb, programmierte nur gegen die API. Wenn Mojang eine neue Minecraft-Version veröffentlichte, musste nur CraftBukkit angepasst werden, die Plugins liefen oft unverändert weiter. Dieses Prinzip machte Bukkit zum Standard für Mehrspielerserver.
Die stille Übernahme 2012
Ende Februar 2012 stellte Mojang die führenden Köpfe des Bukkit-Teams ein. Sie sollten eine offizielle Schnittstelle für Minecraft entwickeln. Weniger bekannt war, dass dabei auch die Rechte an Bukkit an Mojang übergingen – das wurde erst zwei Jahre später öffentlich wichtig. Die Arbeit an Bukkit ging zunächst weiter, getragen von vielen Freiwilligen.
August 2014: das angekündigte Ende
Im Sommer 2014 verschärfte Mojang die Regeln, wie Server mit Minecraft Geld verdienen dürfen. In der Community sorgte das für Unruhe. Im August 2014 kündigte das verbliebene Bukkit-Team an, das Projekt nicht weiterzuführen. Mojang widersprach: Bukkit gehöre dem Unternehmen und werde nicht einfach eingestellt. Viele erfuhren erst in diesem Moment von der Übernahme zwei Jahre zuvor.
September 2014: die DMCA-Beschwerde
Anfang September 2014 reichte Wesley Wolfe, einer der langjährigen Mitwirkenden, eine Beschwerde nach dem US-Urheberrechtsgesetz DMCA ein. Sein Argument, stark vereinfacht: CraftBukkit enthielt seinen Code unter der Lizenz GPL, zugleich aber Code des Minecraft-Servers, der nicht unter dieser Lizenz stand. Diese Mischung verletze die Lizenzbedingungen. Die Folge: Die Downloads von CraftBukkit wurden entfernt, Repositories gesperrt. Mojang erklärte, man stecke nicht hinter der Beschwerde und halte die Beiträge weiterhin für lizenzgebunden. Auch Spigot, damals bereits ein verbreiteter Ableger, war betroffen.
Spigot und BuildTools
Spigot fand einen Ausweg: Statt fertige Serverdateien zu verteilen, stellte das Projekt ein Werkzeug namens BuildTools bereit. Es lädt den offiziellen Minecraft-Server herunter und baut die angepasste Version auf dem Rechner des Nutzers zusammen. Verteilt wird damit nur der eigene Code, nicht der von Mojang. So konnte die Entwicklung weitergehen, und Spigot wurde für einige Jahre zur wichtigsten Grundlage für Plugin-Server.
Paper und die Gegenwart
Aus Spigot ging Paper hervor (anfangs als PaperSpigot bekannt). Paper legte Wert auf Leistung, behob viele Fehler schneller und ergänzte eigene Schnittstellen. Heute ist Paper für viele Serverbetreiber die erste Wahl und entwickelt sich zunehmend eigenständig. Die Bukkit-API lebt darin weiter – wer ein eigenes Plugin programmiert, nutzt sie bis heute.
Was man daraus lernen kann
- Lizenzen sind kein Kleingedrucktes. Wer Code verschiedener Herkunft mischt, muss wissen, ob die Lizenzen zusammenpassen.
- Abhängigkeiten dokumentieren. Serverbetreiber, die ihre Plugins und Versionen notiert hatten, konnten schneller umziehen.
- Klare Schnittstellen zahlen sich aus. Weil Plugins nur gegen eine API programmiert waren, überstanden sie den Wechsel der Server-Software.
Wer die Einzelheiten nachlesen will, findet auf der Spigot-Wiki-Seite zur DMCA eine ausführliche, wenn auch inoffizielle Darstellung. Wie Lizenzen wie die GPL funktionieren, erklärt der Wikipedia-Artikel zur GNU General Public License. Wie Server und Webseite heute zusammenarbeiten, zeigt Bukkit Connect.